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GÖD Bundesfrauenkongress

Ende September hat der FSG -Bundesfrauenkongress stattgefunden, an dem neben den Delegiert/innen aus allen Sektionen der GÖD sowie allen Bundesländern auch hochrangige Vertreterinnen aus Gewerkschaft und Politik teilgenommen haben.

Von Isabella Kaiser

Im Vordergrund der Referate und der Diskussionen sind neben der Situation der Frauen im öffentlichen Dienst auch gesamtgesellschaftliche Entwicklungen, Maßnahmen der Frauenförderung, sowie Verbesserungsvorschläge die Frauenpolitik betreffend gestanden. Selbstverständlich wurden auch die Mitglieder des Bundesfrauenausschusses der FSG gewählt, der in den nächsten fünf Jahren weiter daran arbeiten wird, die Stellung der Frauen im öffentlichen Dienst zu stärken und die Forderung nach vollkommener Gleichstellung der Geschlechter zu unterstützen.

Staatssekretärin Muna Duzdar, die für Diversität, den öffentlichen Dienst und Digitalisierung zuständig ist, hat auf den Anteil der beschäftigten Frauen im öffentlichen Dienst von 41,7% hingewiesen und auch darauf, dass der Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern insgesamt gemäß des Einkommensberichtes von 2015 immer noch 12,5% beträgt. Dass dieser damit gesunken ist, sei auf eine erfolgreiche Frauenpolitik auf allen Ebenen zurückzuführen, die nicht nur zu einem wachsenden Anteil der Frauen in Führungspositionen, sondern auch auf eine steigende Sensibilisierung von Gesellschaft und Unternehmen für Frauen- und Gleichberechtigungsfragen. Trotz erfolgreicher Arbeit waren und sind sich alle Anwesenden einig darüber, dass es tragisch ist, dass gleicher Lohn für gleiche Arbeit – eine langjährige Hauptforderung der Gewerkschaft immer noch in weiter Ferne liegen und dass vollkommene Geleichberechtigung auch im 21. Jahrhundert immer noch nicht selbstverständlich ist.

Frauen- und Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser hat darauf hingewiesen wie wichtig gerade in Zeiten des wiederauflebenden Neoliberalismus die Solidarität innerhalb der einzelnen Gewerkschaften aber auch und vor allem zwischen diesen ist, um zu verhindern, dass die einzelnen Berufsgruppen gegeneinander ausgespielt werden können. Der ÖGB als Dachorganisation sei diesbezüglich das ideale Konstrukt, dem entgegen zu wirken – Austrittstendenzen einzelner Teilgewerkschaften hält Oberhauser demnach für extrem kontraproduktiv und dem Solidaritätsprinzip der Gewerkschaftsbewegung widersprechend. Auch die Tatsache, dass von allen Beschäftigten im öffentlichen Dienst nur 65% der weiblichen Arbeitnehmerinnen vollbeschäftigt sind, ist von der Ministerin thematisiert worden. Teilzeitarbeit biete zwar kurzfristig große Vorteile für Inanspruchnehmer/innen, stelle langfristig aber vor allem in Hinblick auf sich ändernde Lebenssituationen eine Gefahr der Abhängigkeit sowie der Armut dar.

Den Vorschlägen einer täglichen Höchstarbeitszeit von 12 Stunden, wie diese von der ÖVP erhoben und von Familienmisterin Karmasin unterstützt werden, erteilte Oberhauser eine klare Absage, da diese mit zu vielen Problemen, z.B. bei der Kinderbetreuung oder der Gesundheit verbunden wären.

Dass Frauenpolitik und -förderung speziell in der GÖD eine große Rolle spielen müssen, weil diese den höchsten Frauenanteil aller sieben Teilgewerkschaften hat, ist von Oberhauser ebenfalls postuliert worden.

ÖGB-Vizepräsidentin Renate Anderl hat die Errungenschaften der gewerkschaftlichen Frauenpolitik hervorgehoben, allen voran der Papamonat oder der Kündigungsschutz bei Fehlgeburten.

Die ehemalige Frauenministerin und jetzige Bundesfrauenvorsitzende der SPÖ, Gabriele Heinisch-Hosek, hat in erster Linie die gesamtgesellschaftliche Entwicklung kritisch betrachtet, da es immer offensichtlicher werde, dass – wie in wirtschaftlich schwierigen Zeiten allgemein bemerkbar – eine Zurückdrängung der Frauenrechte stattfindet. Überschattet werde diese problematische Entwicklung durch Diskussionen über Details wie Burka- und Verschleierungsverbot, die Heinisch-Hosek für ein Ablenkungsmanöver von den eigentlich wesentlichen Themen hält. Als diese bezeichnet sie: Ungleiche Bezahlung gleicher Arbeit, die „gläserne Decke“, durch die Frauen oftmals von Führungspositionen ferngehalten werden, die Tatsache, dass Frauen immer noch den größten Teil der unbezahlten Arbeiten, wie Hausarbeit, Kindererziehung, Pflege von Angehörigen… erledigen, nicht flächendeckend vorhandene Kinderbetreuungseinrichtungen, v.a. in ländlichen Gebieten und viele andere mehr.

FSG- GÖD-Bundesfrauenvorsitzende Korinna Schumann hat schließlich in ihrem Referat die wichtigsten Themen der österreichischen Frauenpolitik umrissen:

Bezüglich der im Laufe des Kongresses immer wieder diskutierten Problematik der – überwiegend von Frauen in Anspruch genommenen – Teilzeitarbeit, hat Schumann nachdrücklich auf die Gefahren und Nachteile hingewiesen, die sich im Laufe eines Erwerbslebens nicht ausgleichen lassen, vor allem der langfristige Einkommensverlust, der spätestens bei der Pension gravierende Einschnitte mit sich bringt.

Auch das Bundesgleichbehandlungsgesetz war Thema von Schumanns Referat, wobei sie vor allem auf die Bedeutung von verpflichtenden Frauenquoten und Frauenförderungsplänen eingegangen ist, die es Frauen langfristig ermöglichen sollen, auch als Führungskräfte tätig werden zu können, bis dies zur gesellschaftlichen Realität und damit ganz selbstverständlich geworden ist.

Innerhalb der GÖD, die ja den höchsten Anteil an weiblichen Beschäftigten aller sieben Teilgewerkschaften hat, spiele Frauenpolitik nicht nur eine besonders große Rolle, sondern diese sei auch aufgrund der großen Vielfalt der Berufe im öffentlichen Dienst eine riesige Herausforderung, denn die Probleme der Frauen in den einzelnen Bereichen sind extrem unterschiedlich und bedürfen dementsprechend vielfältigen Herangehensweisen und Lösungsansätzen.

Die ebenfalls immer wieder im Laufe des Kongresses angesprochene Problematik nicht flächendeckend vorhandener Kinderbetreuungseinrichtungen, ist von Schumann ebenfalls als großer Hemmschuh für die (Voll-)Beschäftigung der Frauen aufgegriffen worden, denn der beste Frauenförderungsplan und die am besten funktionierende Quotenregelung nützen nichts, wenn Kinder nicht extern betreut werden können – und da Männer, wie ebenfalls immer wieder aufgezeigt, deutlich mehr verdienen als Frauen, sind es in den allermeisten Fällen die Frauen, die zu Hause bleiben und auf eine eigene Erwerbstätigkeit verzichten – oft trotz bester Ausbildung.

Die FSG-GÖD-Bundesfrauenvorsitzende hat aber auch den Aufnahmestopp im öffentlichen Dienst, der in vielen Fällen zu stark gestiegenen Arbeitsaufkommen und zu einer signifikanten Mehrbelastung der/s einzelnen Arbeitnehmer/in  und zu personellen Umschichtungen – die nicht immer im Sinne der Beschäftigten sind, geführt hat.

FOTOS VOM BUNDESFRAUENKONGRESS findet ihr unter www.goedfsg.at – dann weiter zu Frauen und Bilder Bundesfrauenausschuss

Die Mitglieder des neuen gewählten Bundesfrauenausschusses sind:

  • Korinna Schumann (Vorsitzende)
  • Tatjana Sandriester (stv. Vorsitzende)
  • Sabine Schuh (stv. Vorsitzende)
  • Susanne Fazekas
  • Sabine Gabath
  • Natascha Hauser
  • Renate Heitz
  • Isabella Kaiser
  • Susanne Kamellor
  • Karin Medits-Steiner
  • Hermine Müller
  • Evelin Nuart
  • Marie-Luise Reichholf
  • Susanne Schubert
  • Beatrix Wagner

Ersatzmitglieder sind:

  • Margit Huber
  • Irene Jilg
  • Christine Navacchi
  • Katharina Walch

Post Author: Philipp Daferner